
Inselcamps 2026: Was bleibt, wenn die Woche vorbei ist?
Jedes Jahr finden auf der Sonneninsel drei Inselcamps statt. Drei Wochen, in denen Kinder und Jugendliche, die (ehemals) an Krebs erkrankt sind, gemeinsam lachen, Abenteuer erleben, Freundschaften schließen und einfach Kind sein dürfen.
Doch die Inselcamps sind weit mehr als eine Ferienwoche. Die gemeinsamen Erlebnisse können die Kinder und Jugendlichen für ihren weiteren Weg stärken. Sonneninsel-Psychologin und Camp-Betreuerin Christina Eberl erklärt, warum die Camps ein wichtiger Teil der Nachsorge sind.
Stärkende Erlebnisse, die bleiben
Eine überstandene Krebserkrankung bedeutet nicht automatisch, dass alles wieder wie vorher ist. Erfahrungen aus der Erkrankungszeit, lange Krankenhausaufenthalte, körperliche Veränderungen oder Ängste können noch lange nachwirken. Im Camp können die Kinder und Jugendlichen Neues ausprobieren, eigene Stärken entdecken und Vertrauen in sich selbst entwickeln.
„Bei den Inselcamps geht es um weit mehr als gemeinsame Aktivitäten. Wir möchten Impulse setzen, die auch über die Campwoche hinaus wirken“, erzählt Christina.
Was ist ein „Glimmer“?
Diese positiven und stärkenden Erfahrungen nennt Christina „Glimmer“. „Das sind kleine, oft unscheinbare Momente, die uns ein Gefühl von Sicherheit und Wohlbefinden geben. Im Gegensatz zu einem Trigger, der Stress auslösen kann, signalisiert uns ein Glimmer: Gerade ist alles gut. Im Camp erleben die Kinder solche Momente und sammeln somit neben diesem guten Gefühl Erlebnisse, die sie langfristig stärken.“
Gerade für Kinder und Jugendliche nach einer Krebserkrankung kann es wertvoll sein, sich Dinge zuzutrauen, die ihnen im Alltag vielleicht niemand zugetraut hätte. Durch den hohen Betreuungsschlüssel können sie Herausforderungen annehmen, Neues ausprobieren und über sich hinauswachsen.
Eine Reise zu den eigenen Stärken
Im Camp geht es auch um die Fragen: Was steckt in mir? Was kann ich gut? Was gibt mir Kraft?
Die Geschichte vom „Versteck der Weisheit“ wird dabei zur Metapher: Die Weisheit liegt nicht irgendwo weit draußen, sondern in jedem Menschen selbst.
„Es geht um eine Reise zu uns selbst, darum, unsere eigenen Fähigkeiten und Stärken zu entdecken“, erklärt Christina.
Bei den „wohlwollenden Hypothesen“ überlegen die Jugendlichen, welche positiven Eigenschaften sie bei anderen wahrnehmen. Dabei entdecken sie manchmal Stärken, die ihnen selbst gar nicht mehr bewusst waren.
Die Gedanken werden auf einem persönlichen Stärken-Poster mit Bildern, Worten und einer eigenen Kraftpose festgehalten. Eine Erinnerung, die mit nach Hause geht und sagt: Das kann ich. Das habe ich schon geschafft. Das tut mir gut.
Selbst bestimmen und sich etwas zutrauen
Auch Selbstständigkeit und Selbstwirksamkeit spielen eine wichtige Rolle. Beim „Wohlfühl-Festival“ entscheiden die Jugendlichen selbst, was ihnen guttut – ob Tanzen, Karaoke, Sport, Kreativität, Entspannung oder Wellness. Gleichzeitig organisieren sie sich als Gruppe und berücksichtigen unterschiedliche Bedürfnisse.
„Wir wollen Impulse zur Selbstwirksamkeit setzen“, sagt Christina. Vielleicht entdecken die Kinder dabei etwas, das ihnen so viel Freude macht, dass sie es auch nach dem Camp in ihren Alltag mitnehmen.
Kleine Schritte, große Bedeutung
Eine Woche im Inselcamp bedeutet auch einen Schritt in Richtung Selbstständigkeit. Eltern erleben, dass ihr Kind Entscheidungen treffen, Verantwortung übernehmen und Herausforderungen selbst bewältigen kann.
Manchmal geht es um kleine Dinge, etwa die eigene Medikamenteneinnahme selbst zu organisieren. Solche Schritte schaffen Vertrauen und stärken die Erfahrung: Ich kann das selbst.
Mehr als eine Ferienwoche
Die Inselcamps schenken Raum für Leichtigkeit, Freundschaft und Abenteuer und ermöglichen gleichzeitig Erfahrungen, die über das Camp hinauswirken.
Denn Nachsorge bedeutet mehr als medizinische Kontrollen. Es geht auch darum, Vertrauen in den eigenen Körper und in sich selbst zu entwickeln, soziale Kontakte zu stärken, eigene Bedürfnisse wahrzunehmen und den Blick nach vorne zu richten.
Die Inselcamps geben Kindern und Jugendlichen den Raum, auszuprobieren, zu wachsen, zu lachen und zu entdecken, wie viel Stärke bereits in ihnen steckt.
